Auf Basis zahlreicher Fachgespräche und Analysen aktueller Branchentrends lassen sich vier Entwicklungen ableiten, die das Asset Management im Jahr 2026 und darüber hinaus prägen werden.
1. KI wird zum neuen Standard
Der weltweite Markt für prädiktive Instandhaltung wächst rasant. 2022 lag er bei 7,85 Milliarden US-Dollar und wächst laut Prognosen von 2023 bis 2030 jährlich um 29,5 Prozent.¹ Doch 2026 markiert einen Wendepunkt: KI wird von einer Zukunftsvision zum festen Bestandteil der täglichen Instandhaltungspraxis.
Fortschrittliche Machine-Learning-Modelle können Anlagenausfälle 6 bis 12 Monate im Voraus mit einer Genauigkeit von über 85 Prozent vorhersagen.² Das ist ein gewaltiger Sprung im Vergleich zu den heutigen Möglichkeiten. Mit Internet of Things (IoT)-gestützter prädiktiver Instandhaltung sind sogar über 90 Prozent möglich³, und diese Präzision wird weiter steigen, je mehr Daten zur Verfügung stehen.
Die Integration von IoT-Sensoren, digitalen Zwillingen und KI schafft ein ganzheitliches Asset-Health-Monitoring mit Echtzeit-Einblicken in den jeweiligen Anlagenzustand. Der Wechsel von zeitbasierten zu zustandsbasierten Instandhaltungsstrategien reduziert Kosten um 20 bis 30 Prozent⁴, während Echtzeitoptimierung die Instandhaltungspläne anhand tatsächlicher Nutzungsprofile und Umweltbedingungen statt nach starren Kalenderintervallen anpasst.
Was 2026 von den Vorjahren unterscheidet: KI wird weit über die prädiktive Instandhaltung hinausgehen. Sie wird Beschaffungsentscheidungen beeinflussen, das Ersatzteilmanagement optimieren, Austausch- statt Reparaturstrategien empfehlen und sogar den finanziellen Einfluss von Wartungsmaßnahmen auf die Gesamtleistung des Unternehmens vorhersagen. Technologie, die einst als bahnbrechend galt, wird zum neuen Standard.
2. Agentic AI und Kompetenztransformation
Die Instandhaltungsbelegschaft verändert sich und Technologie ersetzt Fachkräfte nicht, sie unterstützt und erweitert ihre Fähigkeiten. Der globale Markt für Augmented Reality (AR) wurde 2024 auf 83,65 Milliarden US-Dollar geschätzt und soll von 2025 bis 2030 mit einer jährlichen Wachstumsrate von 37,9 Prozent wachsen, wobei Instandhaltung und technischer Außendienst zu den wichtigsten Einsatzbereichen zählen.⁵
Augmented Reality wird Techniker durch komplexe Reparaturen und Inspektionen führen, indem digitale Informationen direkt über reale Anlagen eingeblendet werden. Ein Techniker im Berufseinstieg, der AR-Brillen trägt, hat Zugriff auf dasselbe Expertenwissen wie ein Kollege mit 20 Jahren Erfahrung: mit visuellen Schritt-für-Schritt-Anleitungen, Echtzeitunterstützung durch Remote-Experten und sofortigem Zugriff auf technische Dokumentation.
Wenn erfahrene Instandhaltungsfachleute in den Ruhestand gehen, nehmen sie jahrzehntelang aufgebautes Wissen mit. Know-how, das durch klassische Schulungsmethoden kaum zu ersetzen ist. Dies führt zu einem kritischen Wissensgefälle: Neue Techniker haben keinen Zugang zu dem tiefgehenden Expertenwissen, das erfahrene Fachkräfte über Jahrzehnte aufgebaut haben. Das Ergebnis sind Kompetenzlücken, die die Betriebskontinuität gefährden.
Autonome KI-Systeme (Agentic AI) bieten einen Weg, dieses Fachwissen zu demokratisieren, bevor es verschwindet. Indem sie die Diagnosemuster, Fehlerbehebungslogiken und kontextbezogenen Entscheidungsprozesse ausscheidender Experten erfassen, schaffen sie ein Wissensfundament, das allen Mitarbeitenden unabhängig vom Erfahrungsniveau zur Verfügung steht. Anstatt dass Wissen in den Köpfen weniger erfahrener Spezialisten isoliert bleibt, wird es zu einem geteilten Wert, der die gesamte Belegschaft stärkt.
Damit wird nicht nur der Fachkräftemangel adressiert, sondern auch die grundlegende Ungleichverteilung von Wissen innerhalb der Instandhaltungsteams. Junior-Techniker erhalten sofortigen Zugang zu Expertenunterstützung bei komplexen Problemen, während Techniker im mittleren Erfahrungssegment Situationen meistern können, die früher jahrzehntelange Erfahrung erforderten. Das Ergebnis ist eine widerstandsfähigere Instandhaltungsorganisation, in der Kompetenz nicht länger in einer kleiner werdenden Gruppe von Senior-Kräften konzentriert ist, sondern in Systemen verankert wird, die sicherstellen, dass jeder – unabhängig von Erfahrung oder Hintergrund – auf gleichbleibend hohem Niveau arbeiten kann.
Die jüngere Generation, die in die Branche eintritt, erwartet eine mobile, intuitive Benutzeroberfläche für die Arbeitsauftragsverwaltung. Sie ist mit Smartphones und cloudbasierten Anwendungen aufgewachsen und wird dieselbe Benutzerfreundlichkeit am Arbeitsplatz verlangen. Unternehmen, die an veralteten, reinen Desktop-Systemen festhalten, werden Schwierigkeiten haben, Talente anzuziehen und zu halten.
Hybride Teams aus Mensch und KI werden zum neuen Standard: KI übernimmt routinemäßige Datenanalysen, Anomalieerkennung und Musteridentifikation, während menschliches Know-how sich auf strategische Entscheidungen, komplexe Problemlösung und die Zusammenarbeit mit Stakeholdern konzentriert. Diese Partnerschaft ermöglicht Produktivitätsgewinne, die keine Seite allein erreichen könnte.
3. Nachhaltigkeit und ESG-Compliance werden integraler Bestandteil
Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekte (ESG) sind längst keine Randthemen mehr. Sie stehen im Zentrum operativer Strategien und prägen Entscheidungen im Asset Management. ESG-orientierte institutionelle Investitionen werden bis 2026 voraussichtlich um 84 Prozent auf 33,9 Billionen US-Dollar steigen und damit 21,5 Prozent der weltweit verwalteten Assets ausmachen.5 Dieser massive Kapitalfluss bedeutet: Plattformen für das Asset Management müssen sich weiterentwickeln, um strenge Nachhaltigkeitsanforderungen zu erfüllen.
Im Jahr 2026 werden führende Enterprise-Asset-Management-(EAM)-Plattformen den CO₂-Fußabdruck und Energieeffizienzdaten einzelner Assets in Echtzeit erfassen. Zudem müssen bis 2026 alle ESG-Daten digital gekennzeichnet sein, um Vergleichbarkeit und Zugriff zu verbessern. Diese regulatorische Vorgabe wird die breite Einführung von Nachhaltigkeits-Tracking in Instandhaltungssystemen vorantreiben.
Prinzipien der Kreislaufwirtschaft werden Entscheidungen über den Anlagenlebenszyklus maßgeblich beeinflussen: Umweltwirkung, CO₂-Emissionen und die Verfügbarkeit nachhaltiger Ersatzteile spielen eine entscheidende Rolle bei der Entscheidung, ob repariert oder ersetzt wird. „Grüne“ Instandhaltungspraktiken – von umweltfreundlichen Schmierstoffen bis hin zu nachhaltiger Ersatzteilbeschaffung – entwickeln sich von optionalen Differenzierungsmerkmalen zur geschäftskritischen Notwendigkeit.
Die fortschrittlichsten Unternehmen werden ihre EAM-Systeme nutzen, um automatisierte Nachhaltigkeitsberichte zu erzeugen, die die Einhaltung immer strengerer regulatorischer Vorgaben nachweisen und gleichzeitig gegenüber Investoren und Kunden ihre ökologische Verantwortung hervorheben.
4. Integrierte Unternehmensökosysteme und Daten-Demokratisierung
Die Ära isolierter Einzelsysteme geht zu Ende. Im Jahr 2026 werden EAM-Plattformen zu einem zentralen Knotenpunkt in einem integrierten digitalen Unternehmensökosystem. Sie verbinden sich nahtlos mit Enterprise-Resource-Planning (ERP)-, Lieferketten- und Finanzsystemen und ermöglichen so unternehmensweite Intelligenz. Asset-Health-Daten fließen künftig über Bereichsgrenzen hinweg und beeinflussen Entscheidungen weit über die Instandhaltung hinaus.
Echtzeit-Leistungsdaten von Anlagen steuern Einkaufsstrategien und bestimmen optimale Nachbestellpunkte für kritische Ersatzteile. Die Produktionsplanung passt sich automatisch an Anlagenverfügbarkeit und -zustand an. Die Finanzplanung integriert prädiktive Instandhaltungsprognosen, um Investitionen so präzise wie nie zuvor zu planen.
Durch Self-Service-Analytics können auch Nicht-Techniker Erkenntnisse aus Instandhaltungsdaten gewinnen, ohne dass spezielle Schulungen oder IT-Support erforderlich ist. Ob Operations Manager, Finanzanalysten oder Führungskräfte: Alle greifen auf dieselben Daten zu, jedoch jeweils aus der Perspektive ihrer eigenen Verantwortungsbereiche.
Funktionsübergreifende Teams nutzen gemeinsam verfügbare Anlagendaten für strategische Entscheidungen, die weit über die klassische Instandhaltung hinausgehen. Sollte das Unternehmen die Produktionskapazität erweitern oder vorhandene Anlagen besser auslasten? Die Antwort ergibt sich aus integrierten Daten, die Wartungshistorie, finanzielle Leistung, Nachhaltigkeitskennzahlen und Marktnachfrageprognosen vereinen.
Diese Daten-Demokratisierung stellt einen fundamentalen Wandel im Asset Management dar. Instandhaltungsdaten existieren nicht länger isoliert, sondern werden zu einem Kernelement der unternehmensweiten Business Intelligence.
Transformation im Asset Management
Diese Trends zeichnen das Bild einer Instandhaltungslandschaft, die intelligenter, nachhaltiger, stärker vernetzt und stärker am Menschen orientiert ist als je zuvor. Doch Transformation geschieht nicht von selbst. Sie erfordert eine klare Strategie, die richtigen Technologien und das Verständnis, wo Ihr Unternehmen heute steht.
Ultimos eigenes EAM-Reifegradmodell liefert den Rahmen, um Ihre Instandhaltungskompetenzen einzuordnen und den nächsten Schritt gezielt vorzubereiten. Egal, ob Sie gerade erst digitale Arbeitsaufträge einführen oder bereits KI-gestützte Analysen nutzen: Der erste Schritt zu echter Transformation ist ein klarer Blick auf die eigene Reife.
Vereinbaren Sie noch heute eine Ultimo-Demo und finden Sie heraus, wo Sie auf Ihrer Instandhaltungsreise stehen und wie Sie den nächsten Reifegrad erreichen können. Die Zukunft der Instandhaltung hat begonnen. Die Frage ist nur: Werden Sie sie anführen oder ihr hinterherlaufen?