In diesem Jahr hat Ultimo-CEO Steven Elsham eine Reihe kurzer Videos speziell für Führungskräfte in der Industrie aufgenommen. Darin spricht er offen über die Fragen, die sich seiner Ansicht nach deutlich mehr CEOs und Führungskräfte im operativen Geschäft stellen sollten und darüber, wohin sich die Branche seiner Überzeugung nach entwickelt.
Nachfolgend fassen wir seine wichtigsten Aussagen zusammen und erläutern, warum sie für Industrieunternehmen relevant sind.
Das Wissensrisiko in Ihrer Instandhaltung
Zu Beginn richtet Steven Elsham eine direkte Frage an andere CEOs: Was würde Ihrem Unternehmen fehlen, wenn Ihr erfahrenster Techniker morgen in den Ruhestand ginge?
Auf den ersten Blick klingt das nach einer Personalfrage. Tatsächlich ist es eine Risikofrage. In den meisten Industrieunternehmen wird dieses Thema jedoch noch immer eher der Personalabteilung als dem Risikomanagement zugeordnet. Kritisches Betriebswissen – das Wissen, das Produktionslinien am Laufen hält, Probleme erkennt, bevor sie zu Ausfällen werden, und den Unterschied zwischen einer geplanten Instandhaltungsmaßnahme und einem ungeplanten Anlagenstillstand ausmacht – steckt noch immer weit häufiger in den Köpfen der Mitarbeiter als in den eingesetzten Systemen.
Viele Führungsteams unterschätzen dieses Risiko. Elsham ist überzeugt, dass der erste Schritt darin besteht, diese Frage auf der richtigen Ebene des Unternehmens zu stellen.
Die 70-Prozent-Grenze
Elshams zweite Frage lautet: Wie groß ist der Anteil Ihrer Instandhaltungsmaßnahmen, den Sie unter Kontrolle haben, weil er geplant und nicht reaktiv ist?
Sein Richtwert ist eindeutig: Liegt die ehrliche Antwort unter 70 Prozent, bestimmt der operative Betrieb den Arbeitsalltag des Teams und nicht umgekehrt. Den meisten Instandhaltungsverantwortlichen ist bewusst, dass diese Lücke besteht. Doch nur wenige verfügen über einen überzeugenden Plan, sie zu schließen. Der Übergang von reaktiver zu geplanter Instandhaltung zählt zu den am besten belegten Wegen, um Anlagenverfügbarkeit zu erhöhen und Kosten zu senken. Dafür reichen bessere Werkzeuge allein jedoch nicht aus. Erforderlich sind grundlegende strukturelle Veränderungen.
Genau hier kann KI einen echten Mehrwert schaffen. Sie gibt Teams die Transparenz und die Erkenntnisse, die sie benötigen, um vorausschauender zu planen, Risiken früher zu erkennen und fundiertere Entscheidungen darüber zu treffen, worauf sie ihren Fokus richten.
Die Datenfrage, die sich viele Führungskräfte falsch stellen
Elsham bringt es auf den Punkt: An Dashboards mangelt es Unternehmen heute nicht. Das eigentliche Problem ist ein anderes.
Die entscheidende Frage lautet, welche Entscheidungen heute noch auf Basis von Bauchgefühl getroffen werden, obwohl sie sich mit besseren Daten fundierter treffen ließen. Entscheidungen über Investitionen. Entscheidungen über Zeitfenster für geplante Stillstände. Entscheidungen über den Umgang mit Risiken im gesamten Anlagenbestand. In den meisten Industrieunternehmen sind die dafür erforderlichen Daten längst vorhanden. Sie stehen jedoch im entscheidenden Moment nicht so zur Verfügung, dass sie das Handeln tatsächlich verändern.
Genau in dieser Lücke liegt nach Elshams Überzeugung für die meisten Unternehmen das größte ungenutzte Potenzial.
Ein grundlegender Wandel im industriellen Betrieb
Über diese konkreten Fragestellungen hinaus beschreibt Elsham, wie sich der industrielle Betrieb grundlegend verändern wird.
Über Jahrzehnte hinweg galt ein einfaches Prinzip: Etwas fällt aus – und wir reparieren es. Präventive Instandhaltung und Condition Monitoring haben dieses Modell zwar weiterentwickelt, am Grundprinzip hat sich jedoch nichts geändert: Wir reagieren auf physische Ereignisse.
KI verändert dieses Prinzip grundlegend. Sie schafft die Voraussetzungen für einen Betrieb, der zunehmend eigenständig mitdenkt. Anlagen, die ihren eigenen Zustand verstehen. Systeme, die Ausfallrisiken erkennen, bevor sie für Menschen überhaupt sichtbar werden. Entscheidungen über Investitionen, Risiken und Anlagenverfügbarkeit, die nicht länger auf Erfahrung und Intuition beruhen, sondern auf belastbaren Daten.
Das ist ein grundlegender Wandel der Art und Weise, wie Industrieunternehmen künftig arbeiten.
Die hybride Belegschaft in fünf Jahren
Elsham zeichnet ein konkretes Bild davon, wie leistungsstarke Instandhaltungsteams in fünf Jahren aussehen werden. Sie werden als hybride Teams agieren, in denen Menschen, digitale Assistenten und Roboter Hand in Hand zusammenarbeiten.
Erfahrene Techniker werden durch KI-Systeme unterstützt, die ihnen helfen, Probleme schneller zu diagnostizieren, relevante Informationen aus Instandhaltungshistorien bereitzustellen und in Echtzeit auf das gesammelte Wissen des Unternehmens zuzugreifen. Roboter übernehmen Inspektionen in schwer zugänglichen oder gefährlichen Arbeitsbereichen und sorgen dort für ein Maß an Präzision und Konsistenz, das Menschen nicht immer erreichen können. Digital Workers übernehmen Planungs-, Terminierungs- und datenintensive Aufgaben, die heute noch wertvolle Zeit binden – Zeit, die besser für komplexe Problemlösungen genutzt werden könnte.
Das Ergebnis ist nach Ansicht von Elsham nicht, dass weniger Menschen weniger anspruchsvolle Arbeit verrichten. Vielmehr werden kleinere Teams deutlich wertschöpfendere Aufgaben übernehmen und die Instandhaltung wird sich dank einer höheren Anlagenverfügbarkeit vom Kostenfaktor zu einem direkten Werttreiber entwickeln
Was das für Führungskräfte heute bedeutet
Elsham macht deutlich, worauf es jetzt ankommt. Unternehmen, die diesen Wandel verstehen und sich konsequent darauf einlassen, werden ihre Branchen in den kommenden zehn Jahren anführen. Unternehmen hingegen, die KI dauerhaft nur in Pilotprojekten testen oder sie lediglich auf bestehende Prozesse aufsetzen, ohne die Art und Weise, wie gearbeitet wird, grundlegend zu verändern, werden zunehmend den Anschluss verlieren.
Die Herausforderungen in der Instandhaltung sind real und sie nehmen weiter zu: alternde Anlagen, der Mangel an erfahrenen Fachkräften, steigende Nachhaltigkeitsanforderungen und eine wachsende operative Komplexität. Diese Herausforderungen lassen sich nicht allein durch schrittweise Verbesserungen bewältigen.
Der World AI Appreciation Day bietet einen guten Anlass, sich zu fragen, ob Ihr Unternehmen diesen Wandel bereits auf der Ebene von Führung und Betriebsmodellen angeht. Dort, wo er die größte Wirkung entfaltet.
Die vollständige Videoserie von Steven Elsham finden Sie im Laufe des Monats Juli – beginnend am World AI Appreciation Day, dem 16. Juli – auf seinem LinkedIn-Profil.