Es gibt Wendepunkte in der Industriegeschichte, die alles verändern. Die Einführung der Elektrizität. Der Aufstieg der Automatisierung. Das Aufkommen des Internets. Doch keine dieser Transformationen hat uns auf das vorbereitet, was wir aktuell erleben. Der Wandel hin zu künstlicher Intelligenz (KI), und insbesondere zu KI-Agenten, vollzieht sich mit einer Geschwindigkeit, die selbst erfahrene Technologieexperten überrascht.
Noch vor drei Jahren wurden Chatbots in der Industrie überwiegend als interessante Experimente wahrgenommen, nicht als ernsthafte operative Werkzeuge. Heute hat eine Ära begonnen, in der autonome Agenten Entscheidungen treffen, Prozesse steuern und gemeinsam mit Menschen in zentralen operativen Abläufen agieren. Gartner prognostiziert, dass innerhalb der nächsten drei Jahre mindestens 15 % der täglichen Arbeitsentscheidungen autonom von KI-Agenten getroffen werden. Diese Zahl mag zunächst gering erscheinen, bis man bedenkt, dass der Ausgangswert im vergangenen Jahr faktisch bei null lag. Dies ist die schnellste Adoptionskurve, die unsere Branchen je erlebt haben.
Warum diese rasante Entwicklung? Drei Faktoren erklären den sprunghaften Anstieg von Leistungsfähigkeit und Akzeptanz. Erstens: Die Technologie entwickelte sich deutlich schneller als erwartet. Generative KI-Modelle verbesserten ihre Fähigkeiten in den Bereichen Schlussfolgern, Domänenverständnis und Tool-Nutzung in einem Tempo, das eher monatlichen als jährlichen Entwicklungszyklen entsprach. Zweitens: Die notwendige Infrastruktur ist heute breit verfügbar. Unternehmen können Intelligenz inzwischen genauso skalieren wie Cloud-Computing. Drittens: Der Druck auf Industrieunternehmen war noch nie so hoch. Fachkräftemangel, steigende operative Komplexität, alternde Infrastruktur und ambitionierte Nachhaltigkeitsziele lassen sich mit klassischen Methoden allein nicht mehr bewältigen.
Auf der Ultimo Global Partner Conference stellte Maxim Salnikov, Senior Solution Engineer für AI Native Developer Tools bei Microsoft, ein einfaches Rahmenmodell vor, das zeigt, wie KI industrielle Arbeit in drei Phasen verändern wird.
Phase 1: KI-unterstützte Abläufe
Hier beginnen die meisten Unternehmen. Teams nutzen Copiloten und KI-Chatoberflächen als intelligente Suchwerkzeuge, die mit dem Unternehmenswissen verknüpft sind. Das Ziel ist klar: Mitarbeitende genau in dem Moment mit präzisen Antworten zu versorgen, in dem sie diese benötigen. Diese Phase steigert die Produktivität, setzt jedoch weiterhin voraus, dass Menschen den Prozess vollständig steuern.
Phase 2: KI-Agenten für delegierte Aufgaben
Diese Phase erreichen derzeit viele Industrieunternehmen. KI-Agenten handeln im Auftrag der Nutzer. Sie können Arbeitsaufträge erstellen, Sensordaten analysieren, Berichte entwerfen, Instandhaltungshistorien zusammenfassen oder Workflows über angebundene Systeme hinweg auslösen. Hier hört KI auf, ein passiver Assistent zu sein, und wird zu einem digitalen Kollegen.
Phase 3: KI-gesteuerte, aber vom Menschen geführte Systeme
Das ist das Zielbild. Menschen definieren Ziele, übernehmen die Kontrolle und managen Ausnahmen. KI-Agenten orchestrieren Prozesse End-to-End. In der Supply Chain koordinieren beispielsweise mehrere Agenten Beschaffung, Logistik, Planung und Auslieferung, während sich Menschen auf strategische Entscheidungen, Beziehungen und den Umgang mit unvorhergesehenen Ereignissen konzentrieren. Das ist keine Science-Fiction. Diese Entwicklung ist bereits heute in einzelnen Bereichen von Fertigung, Logistik, Energie und Gesundheitswesen Realität.
Besonders relevant für industrielle Branchen ist die Fähigkeit von KI-Agenten, die Arbeitskräftekrise abzufedern. Der Work Trend Index zeigt: Fast neun von zehn Führungskräften in der Fertigungsindustrie erwarten, dass KI-Agenten innerhalb der nächsten 12 bis 18 Monate als zusätzliche Arbeitskapazität eingesetzt werden. Branchen, die bereits heute stark unter Druck stehen, werden die Nachfrage ohne zusätzliche Unterstützung nicht bewältigen. KI-Agenten werden zum Hebel, der menschliches Fachwissen vervielfacht.
Dieser Entwicklungsschritt bringt zugleich eine neue betriebswirtschaftliche Kennzahl hervor, über die viele Führungskräfte derzeit diskutieren: das Mensch-Agent-Verhältnis. Es zeigt, wie viele Agenten erforderlich sind, um eine bestimmte Aufgabe zu erledigen, und wie viele Menschen benötigt werden, um diese zu steuern und zu begleiten. In der nächsten Ära industrieller Abläufe wird dieses Verhältnis Produktivität, Kosteneffizienz und Organisationsdesign maßgeblich prägen.
Die Frage ist nicht, ob diese Transformation Ihre Branche erreicht. Sondern, wie schnell. In der Fertigungsindustrie ist die Technologieadoption bereits am weitesten fortgeschritten. Die Logistik folgt dicht dahinter. Energie- und Gesundheitswesen können besonders stark profitieren, da sie mit kritischen Anlagen, strengen regulatorischen Vorgaben und dauerhaft hohen Anforderungen an Entscheidungsqualität operieren.
Der richtige Zeitpunkt für den Einstieg ist jetzt. Unternehmen, die ihren aktuellen Reifegrad realistisch einschätzen, wertschöpfende Anwendungsfälle identifizieren und gezielt KI-Kompetenz im eigenen Haus aufbauen, kommen schneller voran und minimieren Risiken. Ein geschütztes Umfeld für Experimente ist dabei entscheidend. Deshalb etablieren viele Unternehmen ein KI Center of Excellence, das praxisnahes Arbeiten, strukturiertes Experimentieren und klare Governance fördert.
Die nächsten drei Jahre werden neu definieren, was operative Exzellenz bedeutet. Unternehmen, die KI-Agenten frühzeitig einsetzen, sichern sich einen Wettbewerbsvorteil, der sich schnell verstärkt. So wie frühere technologische Revolutionen ganze Branchen verändert haben, wird auch diese Transformation ihre Wirkung entfalten, allerdings in einer Geschwindigkeit, die wir so noch nie erlebt haben.
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